Kay Winkler

HOME PROJEKTE VITA KONTAKT

 

     
 
   
FIKTIVE ARCHITEKTURMODELLE
Schloß Wiepersdorf
1998




Text
Presse





Modell – Manipulation – Vision
Dr. Markus Brach von Gumpenberg

Das Modell ist ein integraler Bestandteil des architektonischen Schaffensprozesses und der öffentlichen, zuweilen politischen oder auch nur privaten Auseinandersetzung um das zu Realisierende. Somit kommt dem Modell ein genuiner Charakter des Noch – nicht wie auch später des Nicht – mehr zu. Das Modell ist Durchgangsstation, Kommunikationsmittel, Zweckprodukt, das verworfen werden kann, wenn sein reales Pendant Gestalt angenommen hat. Das Modell spricht einen spezifischen Kode und verlangt Verstehen. Es spricht von Raum und Zeit, es erzwingt Imagination und Vorstellungskraft. Das Modell ist in diesem Sinne mehr im Verweisen auf noch unerschlossene Räume, auf noch ungebaute Gebäude, auf noch ungesehene Eindrücke sowie auf noch unerlebte Situationen. Das Modell ist in diesem Sinne gar nicht, es ist nur seine Bedeutung – sonst nichts.

Für Kay Winkler stellte sich zunächst die Frage nach der Heteronomie des Beziehungsgeflechtes, das den spezifischen Charakter des Modells ausmacht und es von einer wie auch immer zu bestimmenden Autonomie fernhält. Diese Heteronomie besteht seiner Ansicht nach weder im Material, noch in den grundsätzlichen Bedingungen einer Ästhetik, die sich mal dem Rezipienten, dann wieder dem Werk zuwenden mag. Der eigentliche Gehalt des Modells ist die Freiheit, die es vorführt. Diese Freiheit ist weit radikaler als es eine politische je sein könnte, denn sie führt auf das Terrain des Denkens. Das Denken am Modell und über es hinweg führt zu Imaginationen oder Vorstellungen des Realen, die sich doch diesseits der Utopie bewegen. Das Modell ist kein Objekt spekulativer Phantasterei, sondern Ausgangspunkt konkreter Vision. Es ist damit vor allem gerade nicht einer imaginativen Beliebigkeit ausgesetzt.

Winkler setzt das Modell ins Werk, indem er es aus seinem Fortgang vom Noch – nicht zum Nicht – mehr feststellt. Er formuliert gleichsam durch die fotografische Bearbeitung des Modells dessen eigentlichen Charakter und hält es an, über sich zu sprechen. Durch die Manipulation des Modells (im Foto) aus der Atelier – oder Ausstellungssituation erreicht Kay Winkler eine neue Situation. Er definiert nicht das Modell dem ästhetischen Diskurs, ohne dass es sich lediglich einer spröden Umwidmung unterziehen muss. Dadurch erreicht er dass das Modell seine ihm eigene Freiheit ausspielen kann, ohne nur kontigentes, heteronomes Objekt zu sein.

Nicht das autonome Modell ist Ziel, sondern die konkrete Vision, die sich am ins Werk gesetzten Modell erarbeitet. In der Arbeit „My Impression – my Garden“ von 1998 erweisen sich die theoretischen Bezüge in der Konkretion. Im Rückgriff auf Grundmomente der Inszenierung (Raum, Licht) sowie durch die fotografische Bearbeitung erzeugt Kay Winkler eine Wirkung, die er als „virtuelle Situation“ bestimmt. Bedingt durch die Perspektive sieht sich der Betrachter in diese Situation mit ihrer ganz eigenen Stimmung versetzt. Durch den Austausch der Realitätsbezüge wandelt sich für den Betrachter nun mehr das Modell zur konkreten Vision, die ihm zur Wirklichkeit wird. In einem gleichsam demiurgischen Akt erkennt sich der Betrachter als Teil einer konstruierten Situation, in der er sich dekonstruierten Bauten gegenübersieht. Typische Sehgewohnheiten verlieren in dieser vorbildlosen Umwelt ihre Bedeutung. Diese zunächst als ideale Privat – Einsamkeit empfundene Szene wird dann jedoch mit der Frage nach ihrer Tauglichkeit als öffentlicher Raum konfrontiert.

Damit schliesst Kay Winkler Betrachter und Künstler prozessual zusammen. Die Kunst ist hier zu einem methodischen Moment verwandelt und das Werk zu einer Situation, in der das Modell zum eigenständigen Denkmodell wird und der ästhetische Diskurs an seine soziale Verantwortung erinnert wird.





Presse







Eine Auswahl – chronologisch

RHIZOM
BIG DATA
VERSPIELEN
LANDSCHAFT IM RAHMEN
REINES TRINKEN
ZITATE ZUR GESCHICHTE EINES HAUSES
LICHTSCHREIN
KATHEDRALE DES EROTISCHEN ELENDS
GANGWEG
PAVILLON
CORRIDOR
TRANSPARENT MOVE
O.T. ERLANGEN
FIKTIVE ARCHITEKTURMODELLE
PAVILLON LUISENHAIN
O.T. DARMSTADT
KIRCHEN STÜCK
BAUSTELLE ALTE PINAKOTHEK
O.T. HAIMHAUSEN
STAATSFÖRDERPREIS
AUSSTELLUNG LOTHRINGER 13

PORTRAITS

 
 
 
  © Kay Winkler 2015 Impressum