Kay Winkler

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Gangweg
Reaktorhalle TU München
2004


Text
Presse




KRYPTISCHER NIEDERGANG

Kay Winklers vorübergehende Sichtbarmachung der Reaktorhalle
von Prof. Dr. Johannes Meinhardt


I.
Die Reaktorhalle der früheren TU München in der Luisenstraße war 1958 fertiggestellt, aber nie in Gebrauch genommen worden – der Standort des Reaktor mitten in der Innenstadt von München erwies sich bei näherer Überlegung als ziemlich problematisch; statt dessen wurde der Versuchsreaktor in Garching gebaut, das damals noch weit außerhalb der Stadt lag. Der Bau geschah genau in den Jahren der Planung und Vorbereitung der Wiederaufstellung eines deutschen Heeres und dessen Bewaffnung auch mit Atomwaffen (das atomare Forschungsschiff 'Otto Hahn' stammt aus denselben Jahren). Die für den Reaktor vorgesehene schwere Halle aus Beton mit den Maßen 26 x 15 x 15 m ist nie für ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt worden und blieb seit 1958 faktisch unverändert.

Innerhalb der Reaktorhalle erstrecken sich oberhalb des Bodens zwei Hauptebenen, mit freischwebenden Emporen und Eingangstoren, von denen aus die Anlage gefahren und gesteuert werden sollte. Die untere Ebene wird als die eigentliche Grundebene wahrgenommen, von der aus der noch tiefere Hallenboden wie ein eingesenktes Becken, wie eine gewaltige Wanne wirkt. Die 15 Meter über dem Boden an der Decke angebrachten Neonröhren tauchen den Raum in ein fahles, kaum zureichendes, hartes und zugleich 'schmutziges' Licht – vor allem wenn nur die mittlere Reihe der Röhren angeschaltet ist. Die Halle wird durch die Röhren in sichtbare Dunkelheit getaucht; die fahle Beleuchtung schafft erst eine Dämmerung, die ausgesprochen finster wirkt, eine sichtbar gemachte Dämmerung; dieses Licht ist nicht erhellend, sondern vertieft das Dämmern zu einem allumfassenden Schatten.

Der Raum, der seit 45 Jahren weitgehend im Dämmerschlaf liegt (nicht völlig unähnlich dem eines eingemotteten Reaktors – diese technischen Anlagen lassen sich fast nicht mehr beseitigen), besitzt heute mit seiner schon etwas zerfallenden, groben, altmodischen und unzeitgemäßen Ausstattung eine spezifische Ausstrahlung, die an eine Reihe sehr unterschiedlicher Affekte und Gefühle rührt: dieser Raum, der eine naive Technikgläubigkeit und deren bodenlosen Leichtfertigkeit spürbar werden lässt, wirkt erstens lächerlich, zweitens erschreckend, drittens nostalgisch. Er lässt eine völlig selbstverständliche und ungebrochene Technikgläubigkeit spürbar werden, die in der Nachkriegszeit, vor allem in den fünfziger Jahren, allgemeiner gesellschaftlicher Konsens geworden war: und zwar der einzige wirklich fraglose Konsens, eine Art Ersatzreligion. Denn alles explizit ideologische Denken, das in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts für weite Schichten der Bevölkerung zum Surrogat für eine positive Religion geworden war, ein neuer Mythos oder sogar eine neue Gnosis – das gilt ebenso für den Nationalsozialismus wie für den Stalinismus –, war nach 1945, aus den denkbar besten Gründen, untragbar geworden. Und das offizielle Christentum hatte sich in Deutschland durch seine Anbiederung an die politischen Machthaber und deren artifiziellen Mythos vom Volkskörper selbst desavouiert. In dem allgemeinen Gefühl des Aufatmens, das in der Nachkriegszeit mit dem systematischen Verdrängen und Vergessen auch der mythisch-religiösen Überzeugungen der Zeit vor 1945 verbunden war, blieb als oberster Wert eines völlig säkularisierten, scheinbar vernünftigen und rationalen Glaubens der Glaube an die Technik. Die feste Überzeugung, im Fortschritt der Naturbeherrschung durch Naturwissenschaften und Technik (welcher Fortschritt in dieser Zeit noch unendlich fortschreiten zu können schien) eine stabile Grundlage des Weltverständnisses zu besitzen, machte die naturwissenschaftlich-technische Rationalität zu einer idealen Religion: zu einer Religion nämlich, die mit der Ratio auf wunderbare Weise zusammenfiel, in der der Widerspruch zwischen Religion und Wissenschaft geheilt war: die Wissenschaft (die Naturwissenschaft) lieferte selbst ein überwältigendes Heilsversprechen. Denn der wissenschaftliche Fortschritt schien quasi unvermeidbar, von selbst, auf das irdische Heil zuzulaufen, auf eine unendliche Verbesserung des Lebens, der Gesundheit, der materiellen Güter und damit des Glücks.

Dieser Glaube an den unendlichen Fortschritt von Wissenschaft und Technik steht uns noch so nahe, er gehört so sehr zu unserer mentalen Grundausstattung, dass die Atmosphäre dieser fast fünfzig Jahre alten Reaktorhalle uns auf jeden Fall stark berührt; gerade weil wir diese Fortschritts- und Technikreligion, die auch heute noch die Grundlage der industriellen Gesellschaften ist (was sich durch die Globalisierung sogar noch verstärkt hat), so gut kennen – da wir von unserer psychischen und mentalen Ausstattung her an ihr teilhaben –, ist jede Reaktion darauf emotional kompliziert. Die sich in dieser Halle so deutlich äußernde 'religiöse' oder eher mythische Überzeugung vom unendlichen Fortschritt durch Naturbeherrschung ist lächerlich, wenn wir glauben, sie überwunden zu haben; sie ist erschreckend, wenn wir feststellen, wie sehr dieser Mythos auch heute noch die Grundlage unserer Gesellschaft ist; und sie ist nostalgisch, wenn wir den Verlust der so einfachen und klaren Gewissheiten beklagen, welche dieser Mythos geliefert und gesichert hatte.


II.

Der gewaltige Quader der Reaktorhalle mit seinen dicken Betonwänden ohne Öffnungen (von den Türen abgesehen), 15 Meter hoch und etwa zu einem Drittel in den Boden versenkt, ist ein Ort, der sich gegen die Zeit und gegen seine Umgebung völlig verschließt und der ein schon von Anfang an vergangenes, quasi totgeborenes Leben bewahrt: er ist eine Art Krypta. In dieser Krypta wird die Anwesenheit eines Mythos oder eines mythischen Phantasmas spürbar, das nur als Abgestorbenes überlebt – als Abgestorbenes aber auch nicht vergeht, eine zeitlose, nahezu unvergängliche Gegenwart angenommen hat. Diese Halle in ihrer Düsterkeit, diese Krypta provoziert Empfindungen des Unheimlichen und des Erhabenen; sie ist, auf eine verquere, säkularisierte Weise, ein numinoser Ort. In ihr wird eine längst vergangene und zugleich zeitlose Anwesenheit bewahrt und eingeschlossen, die nur als sensuelle Abwesenheit, als Unsichtbarkeit, erfahren werden kann. Auf diese Weise bildet sie den Ort einer nicht mehr religiösen, aber damit eng verwandten, dem Mythos der technischen Naturbeherrschung verfallenen Erfahrung: diese Halle ist eine Kathedrale der technischen Rationalität. Sie provoziert auch ähnliche Typen von Empfindungen und Erfahrungen wie eine Kathedrale. Nur dass in diesen Empfindungen quasireligiöse und ästhetische Aspekte ungeschieden ineinander verflochten sind. Doch das gilt für alle Arten von numinosen Orten und Räumen: die Zeitlosigkeit einer abwesenden Anwesenheit, der Schauer der erfüllten Leere, welche sich den Sinnen (vor allem der Sichtbarkeit) entzieht und deswegen als Unheimliches oder als Erhabenes wahrgenommen wird, verflechten auch in einer Kirche oder in einem Tempel Religiöses und Ästhetisches untrennbar ineinander.

Auch darin ist die Analogie mit einer Kathedrale präzise: diese Halle wirkt nicht nur abgetrennt von der Welt, isoliert, gegen die schnell fließende Zeit und die rapiden Veränderungen der Stadt um sie herum verschlossen, in einem isolierten, zeitlosen stehenden Augenblick (einem nunc stans) gefangen, sondern in einer solchen zeitlosen Verschlossenheit liegt gerade ihr Sinn, zu diesem Ziel ist sie errichtet worden: sie stemmt sich gegen die verfließende Zeit und gegen ihre Umgebung. Als Schutzhülle um einen Neutronenreaktor herum sollte sie allen Veränderungen, Ereignissen und Katastrophen trotzen, sollte sie eine Art Ewigkeit ertrotzen, den umschlossenen Raum gegen die umgebende Welt, gegen Zeit und Umwelt völlig abschließen. Diese Halle hat deswegen etwas von einer verborgenen Höhle, von der Zeit- und Ortlosigkeit eines großen, unmessbar lange verschlossenen und unzugänglichen Raums. Verborgen vor dem täglichen Leben sollte sie in einer ewigen Ruhe den Tod einschließen, mit all seiner Bedrohlichkeit und seinen Schrecken (dass die Halle nie mit einem Reaktor in Betrieb gegangen ist, ändert nichts an den Implikationen des Baus).





III.

In diesem Raum – einer Art Bunker, der nicht so sehr vor den äußeren Bedrohungen schützen sollte, sondern umgekehrt die Außenwelt vor möglichen Gefährdungen durch die atomaren Prozesse, durch die Kernspaltung – mit seiner Schwere, Zeitlosigkeit und Unveränderlichkeit hat Kay Winkler eine von vornherein, offensichtlich, provisorische und flüchtige 'Schutzarchitektur' installiert: einen rechteckigen, nahezu das Format der Halle, verkleinert, wiederholenden, von den Wänden der Halle abgesetzter Gang aus Holz, schnell aufgeschlagen und ebenso schnell wieder abbaubar, ein Umgang um einen leeren zentralen Platz. Dieser Umgang ist nicht nur gegenüber seiner Außenseite, gegen der Reaktorwand, geschlossen, sondern auch gegenüber dem Platz, den er umschließt. Nur zwei Öffnungen, zwei Durchgänge geben den Blick und den Weg in den umschlossenen Innenraum frei; beide liegen einander gegenüber genau in der Mitte, wie in einem klösterlichen Kreuzgang. Diese provisorische 'Schutzarchitektur' besteht aus einem schräg überdachten Gang aus vorgefertigten Teilen, die als Module schnell zusammengesetzt und wieder auseinandergenommen werden können. Solche Schutzarchitekturen werden an Baustellen eingesetzt, um einerseits den Fußgängerstrom daran zu hindern, auf die Baustelle oder auf die Straße zu geraten, ihn andererseits vor der Baustelle und dem Verkehr zu schützen. In der Reaktorhalle umläuft der schützende Gang jedoch nicht eine gefährliche Baustelle, sondern er schützt hier die Besucher vor der Halle bzw. den Wänden der Halle. Nur von dem inneren Raum aus, der durch zwei Öffnungen in den Barrieren der Schutzarchitektur begangen werden kann, lässt sich die ganze Halle erfassen. Der Raum zwischen den Wänden und der Schutzarchitektur ist unzugänglich.

Kay Winkler hat jedoch die üblichen Maße der hölzernen Schutzarchitektur etwas verändert: seine Pfeiler sind etwas länger, so dass das Dach etwas erhöht ist; sie stehen etwas enger; und die Bodenbohlen sind etwas stärker erhöht als üblich. Auf diese Weise wird eine unmerkliche Längung und Streckung erzeugt, welche die ganze Anlage stärker nach oben ausrichtet. Das Material jedoch ist das übliche und bekannte: grobgespante Platten und unbearbeitete, ungehobelte Holzpfeiler. Der Gegensatz zwischen der flüchtigen Schutzarchitektur mit ihrem offensichtlich vorübergehenden, passageren Charakter (der dazuhin für Vorübergehende, Passanten eingerichtet ist) in menschlichem Format und der Unveränderlichkeit und Unzerstörbarkeit der Reaktorhülle mit ihrem monumentalen Format, die gerade umgekehrt durch nichts verändert oder gar zerstört werden können soll, ist hier ganz wesentlich. Doch war auch diese gelängte, in ihren Maßen ungewöhnliche Holzarchitektur schon an Baustellen eingesetzt worden, wird sie hier also wiederverwendet, wie es ihrem flüchtigen Charakter entspricht.

Schon dadurch, dass die Halle von Anfang an leerstand, dass sie dem für sie vorgesehenen funktionalen Gebrauch entzogen wurde, hat sich ihr Charakter für die Wahrnehmung stark verändert: durch ihre Entfunkionalisierung und Entleerung verlor sie ihre technisch determinierte Selbstverständlichkeit und hat sich mit den gesellschaftlichen Ausdruckswerten des Ausgemusterten, Sinnlosen und Motivationslosen aufgeladen. So wie alle funktionslos gewordenen Überreste oder Reliquien sich ästhetisieren und quasi von selbst musealisieren, ist auch diese Halle in einen musealen Zustand der Zeitlosigkeit oder der angehaltenen Zeit übergegangen. Durch die Installation des provisorischen und leicht veränderbaren Schutzweges in ihr werden diese Aspekte (ebenso wie die Aspekte der Technikgläubigkeit) betont, besonders deutlich vorgezeigt. Die Reaktorhalle wird so ein spezifischer Bühnenraum, ein von der Welt abgeschlossenes Theater, ein Theater der Zeitlosigkeit und des suggestiven Wechselspiels von Bedrohung und Schutz. Dass dieser Raum noch nicht fünfzig Jahre alt ist, verschwindet in seiner Unveränderlichkeit und Theatralität: es gehört zum Wesen einer Krypta, immer schon verschlossen gewesen zu sein, den Schein eines unvordenklichen Ausschlusses (und eines daraus resultierenden Geheimnisses), eines immer schon Verborgenhabens zu erwecken – der Charakter des Unheimlichen beruht darauf, dass das in der Krypta Verborgene immer schon unsichtbar und unbekannt und dass es zugleich immer schon bekannt war.

Deswegen ist es wichtig, dass die Balkone nicht betreten werden, dass die Besucher nicht einen begreifenden und besitzergreifenden Überblick von der Raumsituation bekommen können, sondern den Raum auf der Ebene der Raumsohle, des eingesenkten Betonbodens, betreten müssen. Sie müssen in den Keller des Gebäudes hinabsteigen, enge, schlechtbeleuchtete Gänge durchqueren und dann durch eine schmale und niedrige Tür hindurchgehen; direkt hinter der Tür beginnt schon der ringsum geschlossene Gang der `Schutzarchitektur´. Der Weg in und durch den Keller ist unangenehm, beengend und bedrängend. Ein von diesem Kellergang erzeugtes klaustrophobisches Gefühl ist durchaus richtig: es handelt sich hier um das Eintreten in eine andere Welt, eine abgeschlossene Höhle oder Krypta; es handelt sich hier um einen Untergang, ein Hinabsteigen in etwas, das in seiner Zeit- und Bewegungslosigkeit, seiner Abgestorbenheit Aspekte des antiken Orkus oder Hades aufweist, ein Eintauchen in eine unsichtbar bedrohliche, fast geräuschlose und unveränderliche Welt – wie ein Hinabtauchen in die dunkle und geräuschlose Tiefsee).

Und tatsächlich: in diesem Raum, der nur ein dämmeriges, schattiges Licht kennt, sind reale Geräusche von Außen nur sehr gedämpft, unkenntlich, hörbar. Daneben gibt es die wenigen Geräusche des Innenraums, vor allem die kleinen Geräusche, welche die Besucher unwillkürlich erzeugen. Dazu kommt, dass die stark gefilterten und leisen Geräusche im Hall des riesigen Raumes quasi ertrinken, ihre erkennbare Identität verlieren und zu einem Rauschen nur leicht über der Hörschwelle werden. So wird die Abgeschlossenheit dieser Halle auch in einer leichten akustischen und visuellen Deprivation spürbar: die Zeit vergeht nur noch sehr langsam, und auch das Licht und die Geräusche scheinen nicht nur gedämpft zu sein, sondern an der Schwelle der Erstarrung und des Verschwindens zu stehen. Wenn Geräusch und Raum aber sich so eng verbinden, dass die Geräusche vor allem als akustische Markierung (die unsichtbare, kaum hörbare akustische Quelle) und als Auslotung des Raums (Auslotung durch die Brechung des Geräusches, durch den Hall, durch eine Art Echolot) wahrgenommen werden, bringen sie vor allem eine erhöhte, suchende und irritierte Aufmerksamkeit hervor, für welche die Raumverhältnisse selbst, die dämmernde Ausdehnung des Raumes, zum Inhalt der Wahrnehmung werden.


IV.

Die nach außen geschlossene, vorübergehende und flüchtige Architektur aus Holz beschwört neben ihrer wörtlichen Funktion als `Schutzarchitektur´ an Baustellen sehr deutlich eine zweite, kulturhistorische (und selbst durchaus kryptische) Erinnerung herauf: die Erinnerung den Kreuzgang mittelalterlicher Klöster. Kreuzgänge lehnen architektonisch auf vergleichbare Weise mit ihrem abfallenden Dach an die Kirche und angrenzende Gebäude an und öffnen sich auf einen Garten in ihrer Mitte hin. Auch ein Kreuzgang ist ein nach außen hin geschlossener und abgeschlossener Schutzraum, der seinerseits einen geschützten Ort umgibt: den Garten. Dieser Garten ist nicht nur, wie in der arabischen, der antiken und der mittelalterlichen Kultur generell, ein befriedeter, umschlossener, stiller und friedlicher Ort, ein hortus conclusus, sondern er dient in besonderem Maße der Kontemplation. Und so wie die klösterliche Kontemplation im Kreuzgang sich auf das Transzendente richtet, auf das, was jenseits der materiellen Welt liegt, so richtet sich die kritische und ästhetische Kontemplation, welche durch die Schutzarchitektur und die Reaktorhalle angeregt wird, auf die quasi-religiösen Überzeugungen, Mythen und Gewissheiten, die in diesem Bau Stein (genauer: Beton) geworden sind.

Dabei verknüpfen sich diese beiden architektonischen und kulturellen Anspielungen, Schutzarchitektur und Kreuzgang, auf auffällig präzise Weise. Das hat zum einen mit den deutlichen Gemeinsamkeiten der beiden zu tun, die sie dazuhin noch mit der Reaktorhalle selbst teilen: alle drei dienen dazu, Schutz zu bieten, Schutz vor Beeinträchtigungen, die von oben (Sonne und Regen, Schutt und Schmutz, verschiedenste Zerstörungskräfte) oder die aus der Außenwelt kommen (Lärm und Verführung, Lärm und Schmutz, verschiedenste Zerstörungskräfte). Zum anderen aber erzeugen diese drei Architekturen ein kompliziertes Spiel des Umschlagens und der Umkehrung von Innen und Außen. Denn der Kreuzgang soll klösterliche Stille und Unbeweglichkeit bewahren ebenso wie die Reaktorhülle; und in beiden Fällen strahlt umgekehrt dieser stille, zeitlose Raum auf die Außenwelt aus, die vor ihm bewahrt werden muss oder zumindest ihm nicht unmittelbar ausgesetzt werden soll: die spirituelle Ausstrahlung des mönchischen Lebens und die lebensbedrohliche atomare Strahlung des Reaktors. Dessen Schutzhülle wird ihrerseits zum bedrohlichen Außen für die Schutzarchitektur, die sich gegen diese Wände richtet, den vorübergehenden und flüchtigen Besucher gegen die Implikationen einer lebensbedrohenden Technik abschirmen und schützen soll. Und schützt der Kreuzgang durch seine Überdachung nicht auch gegen sie übermächtige Präsenz der religiösen Architektur, die ihn umgibt? Und das, was die befriedete Zone der religiösen Architektur, der Garten, innerhalb des Kreuzgangs ist, ein entlasteter Bereich der Ruhe und der Kontemplation, wird in der Schutzarchitektur vergleichbarerweise zum zugleich reflexionsfördernden und befriedeten Raum, von dem aus sich die gesamte architektonische Situation erfassen und verstehen lässt, der den Druck der Drohung verringert und die historische, theoretische und ästhetische Kontemplation der ganzen Arbeit erlaubt.







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Eine Auswahl – chronologisch

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