Kay Winkler

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o.T.
Haimhausen
1996



Text
Presse




Winkelzüge
Zum Thema Plastik – Kay Winkler
Dr. Ludger Busch im März 1993

Was hat der Honig auf dem Butterbrot mit den strengen Gesetzen der Mathematik, was etwa der Vogelzug zwischen Brut – und Lebensraum mit Gesang und Farbenpracht unserer gefiederten Freunde zu tun? Umgekehrt könnte man fragen, wo denn dieses auffällig streng konzipierte Objekt aus Beton und Eisen, das der Plastiker Kay Winkler in die Wiese vor seinem Haus in Haimhausen stellte, noch Bezugspunkte zu Lebendigkeit unverzichtbarer und damit schützenswerter Natur aufnähme.

Die bloße Existenz, die rein formale Beschreibung der Plastik wirkt auf ihr biologisches Umfeld provokativ, ja geradezu abweisend: Da erhebt sich ganz unvermittelt ein mächtiger Körper aus zwei schwebenden, tonnenschweren Betonplatten, die von drei Eisenstangen im Gleichgewicht gehalten werden. Und auch die Dimension von annähernde drei Metern Höhe und Volumen, die immensen Schwierigkeiten beim mechanischen Umgang mit den auftretenden Gewichten scheinen zu belegen, daß es sich hier vielmehr um Überwindung als um Einklang mit den natürlichen Gesetzen gehandelt, daß es sich um Selbstdarstellung des Menschen durch die autonomen Mittel von Kunst in strikter Anwendung von konstruktiven Plänen gedreht habe.

Wer solches denkt und empfindet, hat Recht, und der Künstler würde ihm nicht einmal widersprechen. Nur wer sagt denn, daß eine solche Überhebung über die Natur nicht zugleich auch die größte Annäherung an sie sei?

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht mehr ihre äußere Erscheinung als vielmehr um ihre Funktionszusammenhänge im Inneren, um ihr eigentliches Wesen. Welcher Baumeister legte die Pläne zum Bienenstock, welcher Navigator die Routen zwischen Ausgangs – und Zielort der Vögel? Das Gleiche kann, muß man bei der Plastik von Kay Winkler fragen, will man sie in ihrer eigentlichen und weitreichenden Wirkung verstehen. Mit dem Unterschied, daß wir im ersten Fall von Instinkt, in unserem Fall von Erkenntnis, von geistiger Durchdringung und Erweiterung des Stoffs in die Allgemeingültigkeit, in das Universale reden. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, daß damit eine Entlassung von „irdischen“ Bedingtheiten und Befreiung hin zur bloßen Spekulation im Umgang mit der Materie gegeben wäre. Kay Winklers Plastik funktioniert, weil sie in der Verteilung der Gewichte und Volumen, in der Aufteilung von umschlossenen und freigegebenem Raum, in der Folge nach genau berechneten Grund – und Aufrissen der Figur, und nicht zuletzt in ihrer, auf den Menschen und sein gesundes Augenmaß bezogenen Proportion, steht. Allein die Tatsache, daß sie steht, aus sich und für sich und ohne jede weiteren fremden und verbindenden Mittel der Konstruktion; schon diese Tatsache alleine verbindet sie mit dem Umraum, den wundern der Erscheinung hingibt und mehr oder weniger eindeutige Antworten fordert.

Kay Winkler sieht die Gesetze für seine Plastiken in den Gesetzen der Natur. Das mag ausschlaggebend dafür sein, daß seine Plastik, die sich wie ein Fanal, wie ein totem seit kurzem aus der Landschaft erhebt, zugleich auch wie ein Teil von dieser, als Zeugnis von ihrer Kraft erscheint.

Die Frage, wie der Honig aufs Butterbrot, wie ein Beton-Eisen-Objekt auf die Wiese vor dem Haus von Kay Winkler kam, kann nur von demjenigen beantwortet werden, der sich der Unmittelbarkeit eben beschriebener Szenen aussetzte.

Honig pur. Plastik pur. Natur pur!






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