Kay Winkler

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PAVILLON
Ständlerstraße München
2003




Text
Presse




„Pavillon“ Skulptur von Kay Winkler
Ständlerstraße München-Neuperlach
Christopher Kramatschek

Mit der Architekturskulptur des Münchner Künstlers Kay Winkler erhält Neuperlach am Ende der Ständlerstraße eine zweite künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum. Sie befindet sich in Sichtkontakt mit der Skulptur „Nur der Mensch ist der Ort der Bilder von Jai Young Park, die im Jahr 2001 aufgestellt wurde.
Die Arbeit „Pavillon“ wurde von Kay Winkler für die Ständlerstraße eigens konzipiert. Sie reflektiert ihren besonderen Standort wie auch die Siedlung Neuperlach, und schafft eine zwischen Architektur und Skulptur alternierende Arbeit, die dem Ort neue Lese- und Blickrichtungen eröffnet.

„Pavillon“ besteht aus vier Betonwänden, die entsprechende Fertigteile aus dem Siedlungsbau zitieren. Die freistehenden und nach außen kippenden Platten werden durch zwei Eisenrohre gehalten, die sich im Neigungswinkel der Wände verkeilen. Die Formensprache und technischen Mittel des „Pavillons“ sind damit auf das Notwendigste reduziert und jederzeit nachvollziehbar; allem Künstlerisch-Genialistischen ist eine Absage erteilt.

Gleichwohl eröffnet die Arbeit ein Feld unterschiedlicher Assoziationen. Ein Raum als schützender Ort des Privaten, an den auch die Wandöffnungen im Sinne von „Zimmertüren“ denken lassen, wird hier exemplarisch aufgebaut wie auch dekonstruiert. Es entsteht die Anmutung eines – im Zerfall begriffenen Pavillons, der in der westlichen wie in der östlichen Kultur einen definierten Rückzugsort innerhalb einer zumeist künstlichen Natur darstellt.

Zugleich akzentuiert „Pavillon“ den undefienierten Ort am Ende der Ständlerstraße, ein „Niemandsland“ oder ein „Nicht-Ort“ zwischen Stadt und Trabantensiedlung, neu. Aufgegriffen und verdichtet werden im Zusammenspiel mit der Arbeit von Jai Young Parks jene Sichtachsen, die der urbanistischen Planung für Neuperlach Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahren zu Grunde lagen. Die Siedlung, die als Synonym für den utopischen Glauben an eine aufschwunghafte Zukunft und die Plan und Steuerbarkeit urbanen Lebens durch Architektur und Städtebau galt, liest sich heute als desillusionierte Projektionsfläche eine „Vergangenheit ohne Zukunft“. Als besonderer Ort muss hierbei die Ständlerstraße gesehen werden, die ehemals 6spurig geplant – die Lebensader für Konzept und Bevölkerung der Siedlung sein sollte, heute jedoch schlichtweg auf ein Nichts zurast.

Diese Implusion von Utopie ist an den Trassen und Brachen im städtischen Gefüge abzulesen. Noch während der Umsetzung wurde die ursprüngliche Planung teilweise modifiziert, bereits fundamentierte Straßenspuren und Brückenköpfe schließlich mit Humus statt mit Teer versehen.

Für die so entstandene, jedoch nie geplante „Parklandschaft“ entstand die Arbeit „Pavillon“ von Kay Winkler, die ihren erhöhten Standort einzig einem solchen nicht weiter verwendeten Brückenkopf an der Ständlerstraße verdankt. „Pavillon“ akzentuiert damit eine Brache, die nicht „bespielt“ oder „möbliert“ wird, sondern die präzise Markierung einer – auch in der Diskussion um die „Kunst im öffentlichen Raum“ zunehmend wichtigen – urbanen Freifläche erfährt.

Denn die Peripherie des urbanen Raums mit all ihren Sollbruchstellen, die mit der Arbeit von Kay Winkler eine künstlerische Kommentierung erfahren, steht nicht allein unter negativen Vorzeichen: Übernehmen heute nicht straßen die vormalige Rolle von Plätzen und Agola in der Funktion und Wahrnehmung von öffentlichem Raum? Und findet sich nicht zunehmend ein Bewusstsein für den Wert all jener Orte im städtischen Gefüge, die keiner Inszenierung und Bespielung unterliegen, sonder als Freiflächen nochmals Raum zum Innehalten und Nachdenken, vielleicht sogar In-sich-gehen eröffnen.

Nach Konzeption der Arbeit „Pavillon“ hat Kay Winkler einen Text zu der Arbeit von Jai Yong Park gefunden, der hier zitiert werden soll. Denn dort liest man: „In der koreanischen Tradition sind Skulpturen als Objekte autonomen künstlerischen Ausdrucks nicht überliefert. (…) Was in der traditionellen, offenen koreanischen Landschaft (Jaj Young Parks) Installation entspricht, ist das Konzept eines Pavillons (chungia). Als chungia bezeichnet man ein kleines, Belvedere-ähnliches Architekturgebilde, das sich an seinen vier seiten zur Natur öffnet. Die auf dem Land weit verbreiteten chungia wurden an besonders schönen Plätzen erbaut, die an einem Fluss, in einem Tal oder auf einem Hügel liegen können. Der an dem ausgesuchten Ort errichtete Pavillon stand traditionell jedermann für Rast offen, wurde aber in der Regel zum Dichten, Musizieren oder Malen besucht“ (Uchang Kim, in : Das Erbe der Bilder-Kunst und moderne Medien in den Kulturen der Welt.hg.v. Hans Belting u. Lydia Haunstein, München 1998, S.80 f.)

Man mag hier von künstlerischer Intuition sprechen: sicherlich aber gehen die beiden Werke von Kay Winkler und Jay Young Park ein gleichermaßen zurückhaltendes wie genaues Zusammenspiel untereinander wie auch mit ihrem Ort ein; ein Zusammenspiel, wie es sich nur in seltenen Fällen findet.






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